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PEKiP und Bewegungsspiele online? Nein danke!

Um so länger der Lockdown dauert, desto mehr lassen sich Menschen wohl aus wirtschaftlichen Gründen einfallen. Dazu gehört auch einen Spiel- oder Bewegungskurs für Babys und Kleinkinder online anzubieten. Dazu möchte ich hier in meinem Blog Stellung nehmen, warum ich das auf keinen Fall tun werde.  

 

In meinen Kursen und Gruppen geht es um gemeinsames Spielen, Spaß an Bewegung zu haben, neue Freundschaften zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen, um Zwischenmenschlichkeit, Wertschätzung  und so vieles mehr. Schon ein ganz kleines Baby zeigt sehr genau was es will. Anfangs verstehen wir seine Bedürfnisse nicht immer gleich, aber im Lauf der Zeit gelingt es uns immer besser. Genauso ist das auch beim Spielen mit unseren Jüngsten. Eltern bekommen in unseren Gruppen die Gelegenheit herauszufinden, was ihr Kind  besonders mag und begeistert. Durch verschiedene Spiele und Bewegungsanregungen können sie gut beobachten, was für ihr Kind in welcher Entwicklungsphase besonders interessant ist. Vieles kann mit einfachen Mitteln auch zu Hause gut wiederholt werden. In einem achtsamen miteinander machen schon die Kleinsten ihre ersten Erfahrungen mit anderen Kindern. Vertrauen wächst im Laufe der Kurszeit und sanft werden die Kinder auf eine spätere Trennung in der Krippe oder dem Kindergarten vorbereitet. Sie üben sich im Umgang miteinander und entwickeln ihre eigene Sozialkompetenz. 

Der Ursprung des PEKiP-Konzeptes ist auf Dr. Jaroslav Koch (1910-1979) zurückzuführen. Ihm ging es darum Kinder in ihrer Ganzheit zu entfalten, ihre Sinne, ihr Spielverhalten, ihr Denken, ihr Sprechen, ihre Gefühle usw. zu entwickeln und zu begleiten. In seiner Forschung spielte er täglich 30-60 Minuten mit Babys, welche in einem Heim lebten. Er stellte schnell fest, dass diese sich in jeder Hinsicht besser entwickelten, als andere mit denen nicht gespielt wurde. Zu seiner Zeit wusste man noch wenig über die erstaunlichen Fähigkeiten welche Babys entfalten, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen. Schnell verbreiteten sich seine Erkenntnisse in Wissenschaftskreisen und bereits einige Jahre später entstand das pädagogische Grundkonzept für die PEKiP-Gruppenarbeit. 

Bis heute hat unser Wissen über die Entwicklung von Babys und Kleinkindern das Handling und den Umgang mit ihnen völlig verändert. Es ist bewiesen, dass Kinder andere Kinder für ein gesundes Heranwachsen brauchen. Nur so können sie ihre eigenen Kompetenzen voll entfalten und soziale Verhaltensweisen erlernen. Bereits bei drei Monate alten Babys können wir in Gruppen beobachten, wie sie sich intensiv anschauen und auf gegenseitige Geräusche reagieren. Werden sie älter strecken sie ihre Arme aus und wollen die anderen Babys anfassen, wenn diese in Reichweite sind. Wenn sie dann robben und krabbeln sehen wir, wie sie gegenseitig Kontakt suchen. Auch das erste krabbelnde Kind wird von allen anderen Babys beäugt und im Laufe der Zeit versuchen alle es ihm gleich zu tun.

 

Zum Ende des ersten Lebensjahres haben Kinder schon viele Erfahrungen miteinander gesammelt z.B. wie wechselseitiges Geben und Nehmen funktioniert,  es sich anfüllt, wenn ein anderes Kind das Spielzeug wegnimmt oder das es schön sein kann gemeinsam eine Treppe zu erklimmen. Sie haben erfahren wie es ist, sich mit mehreren einen Raum zu teilen und haben mutig auch schon einige Zeit ohne Mama oder Papa in einer anderen Ecke gespielt. Unersetzbare Erfahrungen für eine anstehende Betreuung in einer Krippe oder in einem Kindergarten, wo die Eltern nach einer kurzen Eingewöhnungsphase gar nicht mehr dabei sein können. 

 

Um selbstständig, frei, kreativ und glücklich zu sein, muss ein Kind sich von Grund auf geborgen fühlen. Diese Bindungssicherheit entsteht ganz natürlich, wenn ein Baby oder Kleinkind mehrmals täglich die ungeteilte Aufmerksamkeit von Mama und Papa bekommt. Ist das Kind emotional gut genährt, kann es sich im Spiel allmählich auch von den Eltern entfernen. Anfangs braucht es aber immer wieder die Rückkehr zum "sicheren Hafen" um sein Grundbedürfnis nach Liebe und Aufmerksamkeit zu stillen. Diese Lernerfahrung ergibt sich wunderbar in unseren und natürlich auch allen anderen Kursen und Gruppen für Babys und Kleinkindern. Bei uns finden Eltern einen auf die Bedürfnisse ihres Kindes vorbereiteten Spiel- und Bewegungsraum vor und können somit ihr Kind ermutigen, nach und nach immer selbstständiger und freier davon Gebrauch zu machen. Die Kinder entwickeln immer neue Kombinationen von Bewegungs- und Spielmöglichkeiten und erproben sich im ersten Miteinander. Babys und Kleinkinder die in kleinen Gruppen mit anderen Gleichaltrigen spielen und sich bewegen  machen automatisch unendlich viele Lernerfahrungen, die durch nichts anderes ersetzbar sind. Die Kinder erleben Eigeninitiative und Selbstverantwortung und durch das gemeinsame Spielen lernen Kinder "das Lernen " an sich. Es ist schon früh ein innerer Antrieb Dinge auch zu erproben, die ein anderer tut. Schon die Kleinen scheuen keine Anstrengung und testen Dinge immer wieder, bis es ihnen gelingt. Diese Erfahrungen prägen und sie werden auch später in der Schule mit mehr Freude und Interesse dem gemeinsamen Lernen folgen können. 

 

In der aktuellen politischen Diskussion über die Öffnung von Spielplätzen und Kindereinrichtungen oder der Verlängerung der Kontaktsperre muss auch ich mich immer wieder fragen, ob Kinder und vor allem die jüngeren Kinder überhaupt als Subjekte mit eigenen Bedürfnissen und Rechten wahrgenommen werden. Seit fast 20 Jahren begleite ich nun schon Familien mit ihren Kindern in den ersten Lebensjahren. Momentan entsteht bei mir der Eindruck, dass Kinder zu Objekten von Erziehung und Betreuung werden und ihre seelische und körperliche Gesundheit nicht das Handeln unserer Gesellschaft bestimmen. Seit Wochen müssen sie auf Kontakt mit Gleichaltrigen verzichten. Dabei benötigen sie diesen für ihre unversehrte Persönlichkeitsentwicklung. Ein Großteil ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung entfaltet  sich erst in der Begegnung mit anderen Kindern. Für Babys und Kleinkinder fehlt diese Möglichkeit gerade gänzlich. Viele Kinder werden ohne jegliche Vorerfahrung mit Kind-Kind-Kontakten einfach in Kindertagesstätten eingewöhnt, wo nach dieser enormen Schließzeit alle Kinder Probleme mit der Trennung von ihren Eltern haben werden. Nach so einer langen Unterbrechung brauchen selbst die Kinder, welche vorher schon mit Freude diese Einrichtung besucht haben wieder eine lange Anlaufzeit. Ich finde es ist dringend an der Zeit, mehr für die Jüngsten in unserer Gesellschaft zu tun und eine verbindliche Perspektive für die nächsten Wochen zu entwickeln.  Ein Onlinekurs ist für Babys und Kleinkinder keine Alternative, denn da kann man nicht fühlen, riechen, sich gemeinsam bewegen, tasten, schmecken und miteinander spielen. Jegliche sozialen Erfahrungen finden dabei nicht statt und das entspricht nicht meinem Verständnis von Entwicklungsbegleitung die sich an den Bedürfnissen von Babys und Kleinkindern ausrichtet. In so einem Fall werden Kinder wieder zum Objekt und daran möchte ich mich nicht beteiligen. 

 

Ich möchte an dieser Stelle auch einmal herzlichen Dank sagen für die vielen lieben Nachrichten von euch, welche immer wieder bei mir eintreffen. Danke auch an alle die geduldig warten und wiederkommen möchten, sobald das wieder möglich ist. Hoffentlich  gibt es in der kommenden Woche ein paar verbindliche Aussagen damit die Kleinsten endlich zu ihrem Recht kommen und miteinander spielen dürfen. 

 

Eure Manuela

Manuela Eckstein

Willy-Orth-Weg 12

85221 Dachau 

 

Telefon: 08131/999955

Mail: info@babyzeit-dachau.de

Der Kursraum befindet sich in der Hebammenpraxis Dachau:

 www.hebammenpraxis-dachau.de